| Bergwandern in Norwegen auf den Lofoten |
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Bergwandern auf den Lofoten (siehe auch Lofotenreise 2011) Mit dem Wandern in Norwegen ist es so eine Sache. Es bedeutet mehr Abenteuer, aber auch mehr Eigenverantwortung als bei uns in Deutschland. Wer dazu bereit und in der Lage ist kann jedoch eine wunderbare Natur und eine einmalige Stimmung 100 Kilometer nördlich vom Polarkreis erleben. Matmora 788 Meter Die erste Tour machen Martin und ich auf den 788 Meter hohen Matmora. Wir haben gerade unsere geplante Inselumrundung abbrechen müssen und gehen mit neuer Motivation an den Berg (siehe auch Kajaktour, Lofoten 2011). Die Bergtour ist in dem Reiseführer „Lofoten“ der Edition Elch beschrieben und so haben wir einen Überblick was uns so erwartet. Um den Einstieg zu finden brauchen wir etwas Zeit und Glück, doch danach ist der Weg nicht mehr zu verfehlen. Wir kommen aus dem Baumbewuchs heraus und steigen immer entlang der Gratkante Richtung Gipfel. Martin und ich passieren eine Schafherde und gehen an großen Altschneefeldern vorbei. Die Aussicht ist fantastisch. Auf der einen Seite das offene Nordmeer, auf der anderen ein großer Fjord. Um 19:30 Uhr erreichen wir den riesigen Steinmann am Gipfel. Martin und ich stehen auf unserem ersten gemeinsamen Gipfel. Wir bleiben einige Zeit hier oben und genießen die warme Sonne nördlich vom Polarkreis.
Glomtinden 419 Meter Unsere Gruppe ist größer geworden. Seit gestern ist Julia mit von der Partie und heute kommt Uli noch mit dem Flieger an. Als kleine Wandertour wollen Martin Julia und ich heute den 419 Meter hoben Glomtinden besteigen. Wir parken am Einstieg zur alten Passstraße zwischen Rorvika und Kabelvag. Von hier aus führt unser Weg erst auf der alten Straße, später auf einem kleinen Trampelpfad bis unterhalb des Gipfels. Die letzten Höhenmeter müssen wir in leichter Kletterei absolvieren und schon stehen Martin, Julia und ich auf dem Glomtinden. Die Aussicht ist super. Unser Blick reicht über den mächtigen Tysfjord bis zum Norwegischen Festland. Unter uns die Bucht von Kalle in der wir gestern noch genächtigt haben. Im Gipfelbereich liegen einige große Felsbrocken und so nehmen wir uns 10 Minuten zum Bouldern. Nach dieser kurzen Einlage steigen Julia, Martin und ich wieder ab. Zuerst auf dem Aufstiegsweg, später drehen wir nach Süden ab. Es geht durch eine sandige Rinne und in eine Art von verkrüppeltem Urwaldgelände. Hier verliert sich der Weg und das Ganze bekommt einen kleinen Expeditionscharakter. Wir marschieren durch Sumpf, klettern über Felsen und kleine Bäume. Nach über einer Stunde erreichen Martin, Julia und ich die kleine Schotterstraße nach Kalle. Von hier aus geht es über die E10 und die alte Passstraße zurück zum Fahrzeug.
Tuva 477 Meter, Blatinden 621 Meter Uli ist da und es fängt an zu regnen (Sorry Uli, aber es war so...). Unsere Gruppe ist nun komplett und bereit für einige Abenteuer. Julia und Martin sind jedoch der Meinung das Abenteuer auch bei trockenen Wetter gemacht werden können und nehmen sich in Svolvaer eine Auszeit. Somit steigen Uli und ich alleine in die Berge bei Svolvaer. Der Einstieg ist, wie so oft hier oben, nur schwer zu finden. Ein kleiner unscheinbarer Wegweiser gibt den Hinweis auf einen noch unscheinbareren Weg. Uli und ich steigen durch sumpfiges Dickicht immer weiter nach oben. Der Wind wird immer kälter und die Sicht ist schlecht. Dicke Wolken hängen in den Gipfeln und ab und an regnet es etwas. Nach einer Stunde erreichen wir den Gipfel des 477 Meter hohen Tuva. Uli und ich schauen über einen kleinen Sattel hinüber zu unserem zweiten Zeil. Wie sie sehen, sehen sie nichts. Der Gipfel liegt komplett in den Wolken. Doch das hält uns nicht davon ab auch diesen Gipfel zu besteigen. Der Weg dorthin ist relativ leicht. Unterwegs treffen wir eine Frau mit einigen Kindern die uns, auf englisch anspricht und vor dem letzten Anstieg zum Gipfel warnt. Uli und ich bedanken uns für den Hinweis und sofort werden Erinnerungen wach.
Im August 2005 waren wir dabei den Antelao in den Dolomiten zu besteigen. Kurz vor dem Gipfel wurden wir von einer Gruppe älterer Bergsteiger gewarnt vor den Schwierigkeiten im Gipfelbereich. Damals erreichten wir auch ohne Seil den Gipfel und das zeigte uns, dass Warnungen zwar immer Ernst zu nehmen sind, aber jeder Bergsteiger die Situation selbst einschätzen können sollte (siege auch Bergsteigen rund um Cortina 2005). Also geht unsere Tour weiter nach oben. Auf einem Vorgipfel sitz eine junge Norwegerin und traut sich wohl so recht nicht mehr weiter. Wir helfen ihr zurück auf den Wanderweg und steigen in kurzer Kletterei zum Gipfel auf. Hier oben ist es alles andere als gemütlich. Der Wind pfeift und die Sicht ist gleich null. Nach einer kurzen Pause geht es für Uli und mich wieder ins Tal und direkt zu den anderen in ein gemütliches Cafe im Zentrum von Svolvaer.
Kongstindan 552 Meter Lova 640 Meter Wir sind zu viert auf Bergtour. Der Aufstieg zum Kongstindan beginnt für uns an einem Parkplatz an der E10 in Svolvaer. Wir steigen am Kongsvatnet vorbei und erreichen bald einen kleinen Aussichtspunkt oberhalb der Stadt. Über einen schmalen Grat geht der Weg höher und höher bis wir nach etwa 1, 5 Stunden auf dem Gipfel des Kongstindan sehen. Die Aussicht ist herrlich und Julia entschließt sich hier in der Sonne zu warten, bis wir vom Lova zurückkommen. Also steigen Uli, Martin und ich nach kurzer Rast weiter. Zuerst ein paar Meter bergab bevor wir auf der Nordseite des Berges weiter bergauf gehen. Bald kommt eine kleine Steilstufe die Uli und ich in freier Kletterei überwinden. Martin ist durch seinen Sturz vor ein paar Wochen noch etwas skeptisch und geht zurück. Für Uli und mich geht es in leichter Kletterei, mal bergauf mal bergab, weiter bis zum Gipfel. An der ein oder anderen Stelle müssen wir uns konzentrieren, da es nass und rutschig ist. Oben angekommen genießen Uli und ich das gute Wetter und die schöne Aussicht auf eine fantastische Inselwelt nördlich vom Polarkreis. Der Abstieg ist relativ einfach und bald gehen wir zu viert weiter Richtung Tal. Versuch am Higravtindan Heute soll es auf den höchsten Berg der Lofoten gehen. Dazu fahren Julia, Uli, Martin und ich in das kleine Dörfchen Eide. An einer Straßenkreuzung mit der E10 parken wir und können schon einen Teil der Route einsehen. Der Gipfel des Berges liegt noch in den Wolken, aber wir hoffen auf eine Wetterbesserung. Unser Weg beginnt mit dem Überwinden einiger Weidezäune und dem Aufstieg durch hohes Grass und Buschwerk. Nach einiger Zeit kommen wir an den ersten Felsriegel. Nach einer kurzen Suche steigt Uli direkt durch die Felsen, ich suche für Julia, Martin und mich einen Weg links vorbei. Auf dem Plateau oberhalb treffen wir uns wieder und steigen gemeinsam weiter durch ein mächtiges Blockfeld. Je höher wir steigen je mehr ziehen die Wolken zu. Leider ist bei diesen Verhältnissen die Wegfindung sehr schwierig und wir machen eine Pause um unser weiteres Vorgehen zu besprechen. Ich steige noch einmal etwas höher und stehe nach kurzer Zeit in den Wolken und vor einer unbekannten Kletterroute. Auch Uli hat an einer anderen Stelle nicht mehr Glück. Plötzlich erscheinen aus dem Tal zwei weitere Bergsteiger. Sie steigen in einer Entfernung von etwa hundert Metern an uns vorbei weiter bergauf. Ihr Weg führt die beiden über ein gewaltiges Firnfeld und danach wieder rechts in die Felsen. Sie sehen gerade beim Begehen des Firnfeldes sehr unsicher aus und ich rechne jeden Augenblick damit das die beiden ins Tal rutschen. In kurzer Kleidung und ohne Steigeisen kann hier jeder Schritt tödlich sein. Mit einem Kopfschütteln steige ich, gefolgt von den anderen wieder ins Tal ab. Wir wollen ja nichts erzwingen und dieser Berg ist in ein paar Jahren auch noch da. Gegen halb fünf sind wir wieder am Auto und fahren zurück zu unserem Häuschen. Am Abend geht es für uns alle noch einmal auf den Festvagtinden. Bei Sturm aber herrlichem Wetter erreichen wir gegen halb zehn den Gipfel. Unter uns zieht ein Hurtigroutenschiff seine Runden Richtung Süden. Wir genießen die warmen Sonnenstrahlen von Norden und steigen erst nach längerem Aufenthalt am Gipfel wieder ab.
Trollfjordhytta ca. 420 Meter Die letzte Wanderung soll zur Trollfjordhütte gehen. Unsere Zeit hier oben neigt sich dem Ende und diese Tour wollte ich schon vor 2 Jahren bei unserer letzten Reise nach hier oben machen. Julia, Martin, Uli und ich fahren also mit dem Kajak in den Trollfjord und lassen es dort im Tal zurück. Da wir mit dem Kajak zweimal pendeln müssen steigt Uli schon auf, während ich Martin und Julia am Raftsund abhole. Uli erreicht wohl gegen Mitternacht die Hütte und heizt schon mal den Ofen an. Wir übrigen drei haben nicht so viel Glück. Wir müssen vor dem Fjord eine längere Zeit warten bis die Midnatsol, das mächtige Hurtigroutenschiff, den Fjord verlassen hat. Somit beginnen wir erst gegen 01:20 Uhr unseren Aufstieg zur Hütte. Eigentlich sollte der Weg ganz einfach sein, aber trotzdem habe ich Uli unsere Karte mitgegeben. Somit steigen Martin, Julia und ich ohne Karte Richtung Hütte auf. Wir folgen dem sumpfigen Weg immer entlang der mächtigen Fallrohre vom kleinen Wasserkraftwerk. Leider verpasse ich an einer Stelle die Abzweigung und wir steigen immer weiter am Rohr entlang. Der Weg wird immer kleiner und schlechter, bis er sich im Gestrüpp aus Büschen und Farn komplett verliert. Zu faul um wieder zurück zu gehen suche ich nach einer Lösung und versuche Julia und Martin mit Durchhalteparolen bei Laune zu halten. Es ist in der Zwischenzeit schon 03:00 Uhr und das Licht scheint unwirklich in die tiefe Schlucht des Fjordes hinein. Wir klettern über glitschige Platten und hangeln uns an alten Sträuchern entlang. Gegen halb vier fängt es auch noch in Strömen an zu regnen. Jetzt ist es mir auch bald zuviel. In einem letzten Versuch klettere ich über ein paar mächtige Granitblöcke auf einen Felsgrat. Plötzlich höre ich hinter einem Block ein lautes Schnaufen. Sofort bleibe ich stehen um zu lauschen. Ich stecke den Kopf um die Ecke und sehe nur noch wie ein gewaltiger Elchbulle die Flucht ergreift. In großen Sätzen springt er über das lose Gestein, fast wie eine Gams, nur größer. Mit einem leichten Schrecken gehe ich zu den anderen beiden zurück und wir beschließen gemeinsam den Abstieg. Irgendwo müssen wir ja die Abzweigung übersehen haben. Gesagt getan. Der Rückweg wir fast so spannend wie der Aufstieg. Gerade die nassen Felsplatten machen uns immer wieder Probleme. Zum Glück finden wir die Stelle mit der Abzweigung sehr schnell und sind nach gut einer Stunde auf dem richtigen Weg. Über diesen Schlammigen Pfad geht es weiter bergauf. Kurz vor der Hütte müssen wir noch einige kleinere Firnfelder überwinden und stehen gegen 04:45 Uhr vor der Trollfjordhütte. Uli hatte sich schon Sorgen gemacht, doch jetzt ist alles vergessen. Hundemüde fallen wir in die gemütlichen Betten der kleinen Hütte. Der Abstieg am nächsten Tag ist wieder etwas stressig. Wir beeilen uns um die Einfahrt des Hurtigroutenschiffes nicht zu verpassen. Leider wissen wir die genaue Uhrzeit nicht und so sind wir doch über eine Stunde zu früh im Fjord. Um kurz nach fünf fährt als Belohnung für uns die MS Nordsternen in den Trollfjord ein. Für Uli und mich war es ja schon die zweite Tour auf die Lofoten und sicherlich nicht die letzte. Gerade mit dieser Abenteuertour die Reise abzuschließen war für mich ein besonderes Erlebnis und wieder eine neue Erfahrung.
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