Auf der Grenze zwischen Italien und Frankreich verläuft die Ligurische Grenzkammstraße. Mit Robin, Patrik, Uli und Thomas geht es 2004 auf ihr bis an das Mittelmeer.

 

 

Ende Mai 2004 wollen wir mit den Motorrädern nach Ligurien fahren um dort die legendäre Grenzkammstraße zwischen Italien und Frankreich zu befahren. Der Plan sieht folgendermaßen aus: Uli und ich fahren am So. los, durch die Vogesen und treffen uns mit Robin, Patrick und Tilo an der deutsch- französischen Grenze bei Weil am Rhein. Soweit so gut.


1.Tag
Uli und ich fahren los, über den Odenwald, durch Heidelberg, durch die Pfalz nach Frankreich in die Vogesen. Das Wetter ist super und wir nehmen die kleinsten Straßen die wir finden können. Dort stellen wir fest das es gar nicht so einfach ist in Frankreich am Sonntag noch Abend Benzin zu bekommen.
Es gibt dann in den Vogesen noch ein paar Orientierungsprobleme. Weit und breit niemand den man fragen kann. Wir sind in einer kleinen Ortschaft oben auf einem Berg und die ist wie ausgestorben. Wir fahren hin und her auf der Suche nach einer bestimmten Straße. Plötzlich steht wie aus dem nichts eine alte Frau auf der Straße, die auch noch deutsch spricht. Wir sind wohl in einem Gebiet was früher mal deutsch war. Super, jetzt noch etwas weiter Richtung Süden und in der Dämmerung finden wir direkt an der Straße eine kleine Grillhütte in der wir übernachten. Auf dieser kleinen Straße ist kaum Verkehr und so wird es eine ruhige Nacht mit etwas Regen.






2. Tag
Uli und ich fahren bei Regenwetter los. Es wechselt sich ab zwischen Regen und Sonne. Nach ca. 1Std sind wir in Weil am Rhein und treffen auf Patrick, Robin und Tilo. Zusammen geht es weiter durch Frankreich, immer im Grenzbereich mit der Schweiz Richtung Süden. Es ist jetzt meist trocken und wir kommen gut voran. Gegen Abend suchen wir uns in einem Waldstück an einer kleinen Seitenstraße einen Lagerplatz.
Uli und ich bauen wie immer eine Plane auf, Patrick und Tilo ein kleines Zelt. Last but not least Robin mit seiner Bundeswehr „Dackelgarage“.

 

Über die Alpen

 



3.Tag
Endlich mal kein Regen. Es sieht zwar nicht gerade freundlich aus aber wenigstens trocken. Wir fahren weiter Richtung Süden. Heute geht es über den ein oder anderen Alpenpass, an Charmonix vorbei bis es auf der Alpensüdseite wieder flacher wird. Je weiter wir nach Süden kommen je schlechter wird das Wetter.
Jetzt brauchen wir auch noch eine neue Kette für Robin, die sehr unter dem Regen gelitten hat.Da es langsam Abend wird suchen wir uns in einem kleinen Tal, abseits der großen Straßen einen Lagerplatz. Es ist bewölkt aber regnet nicht. Auch Tilos Motorrad macht einige Mucken, aber um die zwei Motorräder kümmern wir uns morgen.
Das gleiche Spiel, Uli und ich unter die Plane, Patrick und Tilo ins Zelt und Robin ab ins BW-Quartier.




 

 

Ligurische Grenzkammstraße

 

 

Robin in unserem Lager auf der Grenzkammstraße

4.Tag

Wie soll es anders sein, es ist bedeckt und nach kurzer Fahrt fängt es an zu regnen. Wir finden in einer französischen Kleinstadt einen Motorradhändler der uns verspricht einen Kettensatz für Robins Maschine bis nach der Mittagspause zu beschaffen. Wir vertreiben uns die Zeit im Ort mit Kaffee trinken. Natürlich in einem Kaffee denn es regnet. Zurück beim Händler kommt der Besitzer gerade mit einem Quad aus der Mittagspause.
Wir bekommen auf seinem Parkplatz eine Privatvorführung was man mit so einem Ding alles machen kann. Nach einer beeindruckenden Show händigt er uns den Kettensatz aus und Robin bezahlt mit EC Karte. Wir bedanken uns dass es so schnell gegangen ist und fahren weiter.
Tilo hat kein Interesse sich um seine Maschine zu kümmern. Auch die ganze Tour scheint ihm nicht recht zu gefallen. Er entschließt sich nachhause zu fahren.
Ich zeige ihm den schnellsten Weg nach Hause und er ist weg. Über die Autobahnen muss er es wohl bis spät in die Nacht geschafft haben.
Wir aber müssen weiter. Es geht ein Stück durch Italien. Am Col de Tende wollen wir wieder über die Grenze nach Frankreich. Kurz vorher machen immer mehr Autos Lichthupe. Ich fahre genau 50Km/h, eine endlos lange Serpentinenstrecke hinauf.
Hier dachte ich an Bodo Bach. „ Stau ist nur hinten blöd, vorne geht’s“. Wir zogen einen endlos langen Stau hinter uns her. Es hatte sich jedoch gelohnt. Am Ende der Serpentinen standen die Carabinieri und warteten schon auf uns Motorradraser…..
Weiter ging’s über der Col de Tende bis nach Tende. Von dort noch ein paar Km und kurz vor Dalmas links hoch Richtung La Brigue. Die Orientierung ist nicht ganz einfach doch wir haben Glück. Nach kurzer Zeit donnern wir die ersten Schotterserpentinen hoch und stehen in der Dämmerung auf der Ligurischen Grenzkammstraße. Oben angekommen suchen wir uns abseits des Weges einen Lagerplatz auf einer kleinen Anhöhe. Wir sind auf ca. 1700 Meter und die Nacht wird frisch. Bei ein paar „Lagerfeuergeschichten“ und einem Schluck Schnaps lassen wir den Abend ausklingen…..



Weiter Richtung Süden

 


Patrick und ich in einem Cafe am Meer5. Tag.
07:30 Uhr aufstehen. Wir erkunden kurz die Umgebung auf der Suche nach einem Waschplatz. Etwas oberhalb finden wir einen Platz zum waschen, direkt an der Grenzkammstraße. Also, Klamotten aus schnell waschen und schnell wieder anziehen. Die Temperatur liegt so bei 5 – 7 Grad, das Wasser ist eiskalt. Wir haben uns gerade wieder angezogen da kommen ein paar Geländewagen mit Touristen an uns vorbei. 10 Minuten früher, die hätten vielleicht geschaut…….
Wir fahren zurück zum Lager, packen alles zusammen und sind schon unterwegs Richtung Süden.
Nach ca. 2 Km gerät Ulis Maschine auf einem Schneefeld in eine Spurrille und er stürzt. Gott sei Dank ohne Folgen.


Es geht weiter. Die vollbepackten Maschinen sind schwer zu bewegen. Nach ein paar Km erreichen wir Foret de Marte, eine alte Festung aus dem 1. Weltkrieg. Nach einer kurzen Besichtigung geht es weiter. Nächster Stopp ist eine Hütte des italienischen Alpenvereins in der Nähe eines Stausees. Leider ist sie geschlossen.

 

 

Am Strand in Ventimiglia

Weiter Richtung Süden. Es geht wieder bergab und wir erreichen eine Asphaltstraße. Noch 20 Km und 30 Minuten Später und wir sitzen in Ventimiglia direkt am Meer in einem Cafe. Trotz niedriger Wassertemperatur lassen wir uns eine Abkühlung im Meer nicht entgehen.



Es ist Mittag und nach einem Einkauf geht es auf der gleichen Strecke wieder in die Berge. Vorbei an der Alpenvereinshütte bis zum Foret de Marte. In einer der Ruinen richten wir uns ein Lager ein. Es gibt zwar kein Dach mehr aber wenigsten 4 Wände….
Unser Gepäck bleibt hier und wir donnern, endlich mit leichten Maschinen, auf die Cime de Marte ( 2136 METER). Das bringt eine Menge Spaß, teilweise in Serpentinen, teilweise Querfeldein…. Auf halber Höhe fange ich mir einen bestimmt 85 Jahre alten S-Draht ein meiner Kette ein. Gott sei Dank bleibt auch das ohne Folgen. Auf dem Gipfel genießen wir den Sonnenuntergang, machen ein paar Fotos und reden bei einer Dose Bier dummes Zeug.

 

 

 

 

Uli, König von Blofeld
Wir sind wieder in den Bergen

 

 

Bei der Fahrt zurück schauen wir uns noch einige Bunker an, dann sind wir wieder im Lager. Wir fahren mit den Motorrädern ebenfalls in die Ruine. Dunkle Wolken ziehen auf und so spannen Uli und ich wieder die Plane auf, usw.
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit geht es dann los. Ein mächtiges Gewitter bricht herein. Obwohl Uli und ich zusammenrücken werden wir unterspült. Das Wasser verwandelt unseren Lagerplatz in einen kleinen See. Blitz und Donner wechseln sich ab. Ein tolles Naturschauspiel auf ca.1750 Meter, wenn man nicht mitten drin ist……


 

 

 

 

 

Nachtlager in einer Ruine

 

 

 

Nachtlager in einer Ruine

 

 

 

 

Der letzte Schnee ist ein Hindernis

6. Tag

Das schönste nach so einer Gewitternacht ist am nächsten Morgen der Sonnenaufgang. Wir bauen unser Lager ab und starten Richtung Norden. Weiter auf der Grenzkammstraße Richtung Mont Saccarel. Teilweise ist der Weg nur 2 Meter breit und noch dazu oft mit Altschnee bedeckt. Eine Seite Fels die andere Abgrund. Ein besonderes Erlebnis.
Gegen 10:00Uhr sind wir nicht mehr weit vom Mont Saccarel entfernt. Ein großes Schneefeld jedoch versperrt uns den Weg. Ich nehme mit meinem Motorrad Anlauf doch bleibe nach wenigen Metern in der weißen Masse stecken. So lasse ich die Maschine auch stehen und wir gehen die letzten Meter zu Fuß.

Ein herrlicher Ausblick von hier oben. Neben einem gewaltigen Gipfelkreuz steht nicht weit vom Gipfel entfernt auch ein Monument aus Stein. Muss wohl so eine Art Schutzpatron der Seefahrer sein……


 

Ich habe meine Honda festgefahren


Nach einer Fotosession geht es weiter. Wir graben mein Motorrad aus und es geht weiter nach Norden. Jetzt wieder bergab und nach ca. 45 Minuten erreichen wir die Ortschaft Monesi.
Ab hier gibt es wieder Asphalt. Weiter nach Norden und die Straßen werden immer größer. Es ist jetzt Juni und so haben einige der höchsten Alpenpässe gerade erst geöffnet. Wir fahren über Pässe mit Wohnhausgroßen Schneemauern links und rechts immer weiter Richtung Heimat.
Gegen Abend sind wir in einem kleinen französischen Tal, am Beginn einer Passstraße. In der Nähe eines Flusses errichten wir einen Lagerplatz. Wir nehmen uns die Zeit zum waschen, doch ist dieses Wasser das direkt aus den Bergen kommt und zwar aus den „richtigen“ Bergen, noch wesentlich kälter als das Wasser auf der Grenzkammstraße….






 

 

 

Mont Saccarel

 

 

 


An unserem Lagerplatz7. Tag
Voller Elan geht es am Morgen über den Pass, doch der ist bald vorbei. Uli hat einen platten Vorderreifen. Also, Stopp, Montageeisen und Ersatzschlauch raus und wechseln. Nach ca. 1Std sind wir wieder abmarschbereit.
Also weiter durch Frankreich. Teilweise auf den gleichen Straßen wie vor einer Woche, teilweise auf neuen Wegen. Wir suchen uns immer die kleinsten Wege aus. Gegen Abend sind wir direkt an der Grenze zur Schweiz. An diesem kleinen Weg gibt es keine Kontrolle nur ein Schild auf dem steht das man sich jetzt in der Schweiz befinde. Wir drehen um und fahren ca. 2Km zurück, dort bauen wir in einem Nadelwald auf französischem Boden unser Lager auf. Wir glauben das die Franzosen etwas lockerer mit übernachten im Wald umgehen als die Schweizer….

 

 

 

 

 

 

8. Tag
Der nächste Morgen ist da und bei schönem Wetter legen wir die letzten 600 Km zurück. Bei Basel fahren wir aus Versehen kurz auf die Schweizer Autobahn und schon ist ein Streifenwagen hinter uns. Schnell wieder runter und so tun als hätten wir uns verfahren. Es klappt und die Polizei fährt auf der Bahn weiter.
Am Nachmittag kommen wir zuhause an und sind uns einig das die Zeit auf der GRENZKAMMSTRASSE zu kurz war.
Doch eins steht fest: Wir kommen wieder!!!

Text von Tommy, Fotos von Patrick.

 

 

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