| Atlantik-Pyrenäen-Mittelmeer - Motorradabenteuer im Süden |
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In diesem Jahr geht es mit dem Motorrad in die Pyrenäen. Mein erstes Ziel ist allerdings La Rochelle am Atlantik. Dort möchte ich mir einen alten U-Boot Bunker aus dem 2. Weltkrieg anschauen bevor ich in die Berge fahre. Hier einige Auszüge aus meinem Tagebuch: Der erste Tag: Leider hat keiner meiner Freunde frei bekommen und so gehe ich alleine auf Tour. Auf einen Montag im Oktober starte ich am Morgen Richtung Frankreich. Bei Saarbrücken geht es für mich über die Grenze und weiter Richtung Atlantik. Das Wetter passt und so entscheide ich mich auf Landstrassen weiter zu fahren. Das spart nicht nur Maut, sondern man sieht wenigstens etwas von der schönen Landschaft. Oft halte ich zum fotografieren an denn viele Städte sind eine Mischung aus alt und neu und man spürt förmlich noch den Geist einer vergangenen Zeit. Meine Gedanken weichen ab in die Zeit der Musketiere und der Könige. Leider geht der Tag viel zu schnell vorbei und die letzten Stunden der Fahrt lege ich bei Dunkelheit zurück. Meine Suche nach einem Schlafplatz gestaltet sich etwas schwierig, denn obwohl Frankreich in dieser Region dünn besiedelt ist finde ich kaum einen geeigneten Ort zum Lagern. Gegen 23:30 Uhr habe ich die Nase voll und schlage mein Zelt hinter einer Hecke an einem kleinen Parkplatz auf.
Der zweite Tag: La Rochelle!! Bei diesem Namen denke ich nicht nur an den Atlantikwall, oder den Film „Das Boot“ sondern auch an die Glaubenskriege im Mittelalter. Hier am Atlantik hat sich also eine Menge Geschichte versammelt. Ich starte gegen 10:00 Uhr in den neuen Tag. Das Wetter ist nicht gerade schön aber trocken. Um 13:30 Uhr erreiche ich La Rochelle und nach einigem Suchen finde ich auch den U-Boot Bunker. Meine Enttäuschung ist riesig. Das Ding liegt mitten im Hafen und der ist von einem großen Zaun umgeben. Ich versuche von allen Seiten heran zu kommen, doch es gibt wohl keine Chance. Also schnell ein Foto und ein kurzer Ausblick auf den Atlantik dann geht die Reise weiter.
An diesem Nachmittag und Abend lasse ich noch viele französische Autobahnkilometer unter meiner Maschine liegen. Gegen 21:30 Uhr halte ich an einem kleinen Rastplatz am Rande der französischen Pyrenäen. Ich baue mein Zelt auf und falle hundemüde in den Schlafsack.
Der dritte Tag: Pyrenäen ich komme! Der Morgen sieht grau aus. Heute werde ich wohl nicht trocken bleiben. Um 09:30 Uhr breche ich auf und erreiche nach kurzer Fahrt den Wallfahrtsort Lourdes. Da es gerade zu regnen beginnt bleibt das Städtchen rechts liegen und meine Fahrt geht weiter Richtung Col de Soulor. Auf der Passhöhe angekommen ist die Sicht so schlecht, dass ich nur noch mit offenem Visier fahren kann. Manchmal habe ich das Gefühl das ich keine 10 Meter mehr sehen kann. Aber ärgern hilft ja nichts, nur die Hoffnung auf besseres Wetter im Süden der Pyrenäen. Also auf zum Col du Pourtalet diesem legendären Pass auf den sich schon der ein oder andere Tour de France Fahrer hinauf gequält hat. Für mich ist der Anstieg etwas leichter und kaum oben angekommen hört es auch schon auf zu regnen.
Nun bin ich also in Spanien angekommen und fahre auf der N260 Richtung Westen. Auf den kleinsten Straßen möchte ich die Pyrenäen durchqueren und bald am Mittelmeer sein. Es macht richtig Spaß durch diese abgelegene Bergregion zu kurven. Ab und an verlasse ich die N260, um ein paar Kilometer auf noch kleineren Strassen zurück zu legen. Am puerto de Bonansa finde ich in einem kleinen Kiefernwald einen Schlafplatz. Als ich gerade mit dem Zeltaufbau fertig bin fängt es in Strömen an zu regnen. Zum Glück zieht das Gewitter an mir vorbei und nach einer Stunde wird es wieder ruhiger.
Der vierte Tag: Ich werde von den warmen Sonnenstrahlen auf dem Zelt geweckt. Irgendwie scheint es aber kalt zu sein. Ein Blick nach draußen zeigt mir, dass die Temperatur wohl immer noch unter dem Gefrierpunkt liegt. Mein gesamtes Zelt und das Motorrad sind von einer dicken Eisschicht überzogen. Ich packe meinen Kocher aus und genieße bei einem Kaffee die warmen Sonnenstrahlen. Plötzlich hält auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe ein großer Reisebus. Erinnerungen an meine Reise zum Nordkap werden wach. Dort oben am Ende Europas wurde ich auch von einer Busladung Touristen geweckt und dokumentiert.... Aber hier passiert zuerst einmal nichts. Als ich 20 Minuten später am zusammenpacken bin kommt plötzlich aus Richtung Parkplatz eine gesamte Schulklasse oder vielleicht sogar eine gesamte Schule und durchquert mein Lager auf der Suche nach Pilzen. So etwas hatte ich auch noch nicht. Schnell räume ich meine restlichen Sachen ein und trolle mich des Weges. Meine Route führt heute auf kleinen Straßen bis nach Andorra. Für 1,20 Euro/Liter tanke ich die Maschine voll setze meinen Weg durch dieses kleine Land weiter fort. Ohne noch einmal anzuhalten durchquere ich die Städte des Zwergenstaates. Hier ist alles laut, schnell, hektisch und auf Tourismus aus. Erst auf einem schneebedeckten Pass in 2400 Meter Höhe halte ich an und schieße ein paar Fotos. Mein Thermometer zeigt Null Grad und das bedeutet es ist Zeit für die Abfahrt. Leider sind meine warmen Sachen verpackt, ich hatte mich ja auf Sonne eingestellt. Meine Reise führt mich noch über einige Pässe, bis ich am Abend an eine Schotterstrecke von Ribes de Freser nach Abella komme. Die Piste führt bis auf über 1500 Meter hinauf und ich muss mich mit meiner fetten Africa Twin ganz schön ins Zeug legen. Gegen 19:30 Uhr, es fängt schon an zu dämmern, finde ich in der Nähe von Abella einen schönen Platz für mein Zelt.
Der fünfte Tag: Ich wache noch bei Dunkelheit auf. Im Westen ist bereits das erste Morgenrot zu erkennen. Am Himmel funkeln die Sterne und ich verlasse das Zelt mit meiner Fotoausrüstung. Die Temperatur muss noch deutlich unter Null liegen und so muss ich die Kamera mit Handschuhen bedienen. Um kurz vor acht kommt die Sonne wie ein großer Feuerball über den Horizont. Es sind diese Momente die all die Kälte oder die schlechten Tage vergessen machen. Mit einer Tasse heißen Kaffee genieße ich die Stille und den Sonnenaufgang. Plötzlich höre ich ein klingeln das sich nähert. Eine Minute später erschienen zwei Hunde aus Richtung Tal, schauen mich kurz an und gehen weiter über einen Weg bergauf. Ich denke noch kurz darüber nach ob das jetzt Sinn macht, aber was macht heute schon Sinn? Um kurz vor neun rolle ich ins Tal und habe bald wieder Teer unter den Reifen. An diesem Tag überquere ich noch einige Male die Grenze zwischen Spanien und Frankreich. Am Col de la Brousse gerate ich auf einer Schotterpiste in eine Sackgasse und muss ca. 10 Kilometer wieder zurück fahren. Gegen 14:00 Uhr erreiche ich das letzte Ziel meiner Tour, dass Mittelmeer. Hier genieße ich das warme Wetter und das angenehme Klima. Über eine Stunde verbringe ich direkt an der Küste Frankreichs. Ich koche Kaffe und sitze stumm da und starre aufs Meer hinaus. Die Tour ist nun fast vorbei. Was bleibt sind über 1000 kalte Kilometer Autobahn, die ich in den nächsten 24 Stunden zurück legen muss. Wie immer bei Touren die ich alleine mache fällt es mir schwer wieder in den normalen Alltag zurück zu kehren. Doch es sind auch diese Touren und all die schönen Momente und Bilder die einem den Alltag erheitern und Motivation für das „ganz normale leben“ geben.
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