| Leichte Hochtouren in der Silvretta. |
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Sonntag: Als ehrenamtlicher Fachübungsleiter veranstalte ich im August 2011 meine erste Basisausbildung Eis. Als Ziel habe ich die Silvretta, genauer gesagt die Wiesbadener Hütte heraus gesucht. Leider gibt es kurz vor Tourenbeginn noch eine verletzungsbedingte Absage und so kommen nur 3 Teilnehmer mit auf die Tour. An einem Sonntag Morgen fahren wir um 07:00 Uhr am Sektionshaus los. Nach einer gemütlichen Fahrt kommen wir gegen 15:00 Uhr an der Bielerhöhe in der Silvretta an. Von dort beginnt der Aufstieg zur Wiesbadener Hütte. Udo fühlt sich nicht besonders gut und kommt nur langsam voran. Aber das ist für uns kein Problem, denn bei bestem Wetter haben wir alle Zeit der Welt. Um 17:45 Uhr erreicht unsere Gruppe die Wiesbadener Hütte und Udo geht es immer noch nicht besser. Wir wollen morgen mal schauen wie es ihm geht, er soll auf jeden Fall erst mal etwas kürzer treten. Heinrich Lorenz, der Hüttenwirt begrüßt uns gewohnt freundlich und zeigt uns das 4 Personenlager für die nächsten Tage. Den Abend nutzen wir für eine Einweisung in die Woche und ein genaueres kennenlernen.
Montag: Der Montag beginnt mit einer kleinen Tour zum warm werden. Das Ziel unserer Tour ist der Vermuntkopf, ganz in der Nähe der Hütte. Wer hier im Fels ohne Probleme bis auf den Gipfel kommt der schafft auch die restlichen Anstiege der Ausbildung. Aus besagten Gründen bleibt Udo erst mal in der Hütte und wartet auf den Beginn der eigentlichen Ausbildung. Ohne Probleme erreichen Marco, Thomas und ich den Gipfel und sind nach etwas über zwei Stunden wieder an der Wiesbadener Hütte. Udo ist von unserer Zeit beeindruckt und ich staune auch über die Kondition der beiden Hobbyradfahrer. Am Mittag ist die erste Eisausbildung angesagt. Zu viert marschieren wir zum Gletscher. An der Zunge des Vermuntgletschers beginnen wir mit der Ausbildung, dabei steht, unter anderem, dass Gehen mit Steigeisen und das Anseilen am Gletscher auf dem Programm. Alle Teilnehmer lernen schnell und kommen in den einzelnen Bereichen gut nach vorne. Zum Abschluss möchte ich mit der Gruppe noch eine Runde über den Gletscher drehen. Wir wollen zum Vermuntpass gehen und im Anschluss zu dem großen Windkolk queren. Von dort soll es zurück zur Hütte gehen. Leider „spielt“ bei Udo der Körper nicht mit. Ich kenne ihn jetzt erst seit kurzem, doch er scheint mir ein zäher Bursche zu sein. Ich kann es gut nachvollziehen wenn der Körper so von einer Krankheit geschwächt wird und man nicht in der Lage ist kleinste Anstrengungen zu bewältigen. Auch bei mir ist es erst zwei Jahre her und zwar genau im Aufstieg zu dieser Hütte als ein rätselhafter Virus mich für mehrere Wochen außer Gefecht setzte. Udo jedenfalls steigt am nächsten Tag zur Bielerhöhe ab und fährt mit dem Zug nachhause. Ich hoffe er ist bis heute wieder fit und vielleicht ja im nächsten Jahr dabei.
Dienstag: Für die verbliebenen beiden geht es am Dienstag richtig los. Wir trainieren Spaltenbergung an der Hütte und am Nachmittag geht es wieder an den Gletscher. Am großen Windkolk machen wir unsere ersten Übungen. Ebenso steht Frontalzackentechnik, Gehen am Fixseil, Setzen von Eisschrauben, Queren mit Pickel, Abseilen am Gletscher und weitere Punkte auf dem Ausbildungsprogramm. Nach diesem ausgiebigen Trainingstag soll es aber endlich auf Tour gehen. Am Abend in der Hütte planen wir gemeinsam für den nächsten Tag. Ziel der Tour soll das Silvrettahorn sein, mit einigen Optionen im Anschluss.
Mittwoch: Das Wetter ist immer noch traumhaft. Um halb sieben starten wir in den Tag und sind nach einer Stunde über die Grüne Kuppe am Ochsentaler Gletscher. Hier bereiten wir unsere Ausrüstung vor und seilen uns an. Ein Bergführer geht mit zwei Gästen ein paar Meter vor uns. Langsam ziehen wir unsere Bahnen durch den Eisbruch des Ochsentalers. Vor der Gruppe die uns voraus geht saust ein Fußballgroßer Stein in Kopfhöhe ins Tal. Also schnell weiter, dass ist kein Platz für eine Pause. Am Ende des Eisbruchs überholen wir den Bergführer der eine kurze Pause macht. Die alte Spur, der wir folgen, zieht auf eine breite Spalte zu. „Die ist aber ganz schön breit“ denke ich mir. Vor dem Bergführer möchte ich mir aber keine Blöße geben und lange nach einem anderen Weg suchen. Also mache ich einen großen Schritt auf die andere Seite und ramme den Pickel dabei in den weichen Firn. Mit einem großen Ruck bin ich drüben. Marco, der mir am Seil in 10 Metern Abstand folgt hat nicht so viel Glück. Er benutzt meine Fußstapfen und rutscht dabei in die Spalte. Das Seil spannt sich und er schaut, noch gut gelaunt, mit dem Kopf über den Spaltenrand. Schnell hat er sich selbst geborgen und wir marschieren weiter. Thomas überwindet die Spalte mit einem großen Sprung. Der Bergführer überholt uns etwas weiter rechts und wir reihen uns brav hinter ihm ein... . Es geht also am Gletscher aufwärts durch eine große Spaltenzone. Immer wieder trennen sich die Wege unsere beiden Gruppen. Ich möchte nicht dem Bergführer an den Hacken kleben, möchte für unsere Gruppe einen eigenen Weg durch das Labyrinth aus Spalten finden. Nachdem wir dem Spaltenbereich hinter uns gelassen haben zweigt unser Weg nach rechts Richtung Silvrettahorn ab. Der unbekannte Bergführer zieht mit seinen Gästen weiter Richtung Piz Buin. Ohne Probleme erreichen wir die Egghornlücke (N) und legen die Steigeisen, Pickel und Stöcke ab. Nur das Seil wird unser Begleiter zum Silvrettahorn sein. Doch im Aufstieg nutzen wir es nicht da es nur die ein oder andere kleine Kletterstelle gibt und wir uns in freier Kletterei sicher fühlen. Eine gute halbe Stunde später stehen Marco, Thomas und ich am Gipfel vom Silvrettahorn. Wir haben eine herrliche Aussicht über die ganze Silvretta. Drüben am Piz Buin können wir eine Menge Seilschaften am Gletscher sehen. Hier hingegen ist es Menschenleer oder wie würde es in einem AV – Führer stehen: „Prächtige Bergfahrt“. Bald ist unsere kleine Gruppe wieder im Abstieg. Wir nehmen das Seil dazu um uns an der ein oder anderen Stelle zu sichern. Nach 30 Minuten erreichen wir alle die Egghornlücke und „bauen“ unser Seil auf eine Gletscherseilschaft um. Unser weiter Weg führt uns über den Gletscher zu einem stark aus geaperten Übergang und zwar dem Fuorcla dal Cunfin. Dieser Pass ist etwas über 3000 Meter hoch gelegen und bringt uns auf das Gebiet der Schweiz. Dazu muss unsere Gruppe jedoch noch einige hundert Meter absteigen. Dieser Abstieg ist eine steinige und eisige Geschichte, denn Fels und Blankeis wechseln sich ab. Unten angekommen ziehen wir unsere Bahn weiter an der Mittagsplatte vorbei und von dort aus Richtung Tuoi Hütte. Wir lassen den Felssporn Cronsel rechts liegen und steigen wieder auf zum Vermuntpass auf. Auch dieser Weg ist wieder eine steinige und eisige Angelegenheit. Durch die große Ausaperung ist hier oben alles in Bewegung. Am Pass angekommen haben wir es so gut wie geschafft. Ohne Seil geht es über den aperen Gletscher nach Norden zur Wiesbadener Hütte die wir nach 10,5 Stunden „auf Tour“ erreichen.
Donnerstag: Der Donnerstag steht im Zeichen von Ausbildung und Erholung. Wir trainieren an der Hütte die Selbstrettung aus der Spalte und noch einmal die lose Rolle. Am Mittag gehen wir eine Tour zum Hohen Rad das wir über einen rassigen AV-Weg erreichen. Hier oben ist schon der Wanderer gefragt, der leichte Kletterei beherrscht.
Freitag: Heute ist Wochenabschluss und Thomas und Marco sollen die anstehende Tour selber Planen und Führen. Ich selbst möchte nur als Berater tätig sein. Geplant ist eine große Runde um das Ochsenhorn, mit anschließender Besteigung. Ohne Seil und ohne große Mühe erreicht unsere kleine Gruppe die obere Ochsenscharte. Ab hier oben ist anseilen angesagt. Marco wühlt sich, am Anfang noch etwas unsicher später mit immer mehr Spaß durch das Gewirre aus Spalten, Brücken und Sprüngen. Er findet einen Weg hinunter zum Jamtalferner. Hier übernimmt Thomas und bringt uns wieder nach oben zur Tiroler Scharte. Dort verbleibt unsere Ausrüstung und wir ersteigen gemeinsam den 3057 Meter hohen Ochsenkopf. Wir blicken nicht nur ins Tal sondern auch auf eine schöne Woche zurück. Von hier oben können wir fast alle Plätze einsehen an denen wir die Woche über trainiert haben. Den Abstieg zur Hütte führt Thomas souverän. Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen. Bei Nebel, Schneefall, Blitz und Donner erreichen wir am Silvrettastausee den Sektionsbus. Die 5cm Schnee auf den Straße Beenden unseren Versuch mit Sommerreifen zu fahren sofort. Mit Schneeketten an den Reifen fahren wir also nach Galtür und von dort wieder etwas schneller nach Gießen.
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